BDV-Geschäftsführer Aris Kaschefi und weitere Marktexperten beleuchteten während der digitalen Fachkonferenz Vendcon die aktuellen Entwicklungen im Vending-Markt. Screenshot: VendingSpiegel
Vending-Branche steht unter Handlungsdruck
VendingSpiegel, 13.02.2026 – Aktuelle Studien des europäischen Dachverbandes EVA sprechen Deutschland zwar weiterhin eine Führungsposition inmitten der europäischen Vending-Märkte zu. Dennoch kämpft die Branche nach wie vor mit stagnierenden Absatzzahlen. So machte auch die diesjährige digitale Fachkonferenz Vendcon des Bundesverbands der Deutschen Automatenwirtschaft (BDV) unter dem Leitmotiv „Marktveränderung & Wachstumsperspektiven“ deutlich, dass sich die Vending- und Office-Coffee-Service-Branche in einem strukturellen Veränderungsprozess befindet. Demnach bestehe im Vending-Markt dringender Handlungsbedarf.
Herausforderungen für die Branche
Befeuert wird dieser Strukturwandel dem Verband zufolge durch mehrere Faktoren: Einerseits durch neue regulatorische Anforderungen wie die bevorstehende EU-Verpackungsverordnung (PPWR), die neue Anforderungen an Recyclingfähigkeit, Mindest-Rezyklatanteile und Mehrwegquoten mit sich bringt. Doch auch individuell gestaltete kommunale Verpackungssteuern führten zu zusätzlichen Kosten und erheblichem administrativem Aufwand, was regionalen Operator-Betrieben die Planung und notwendige Anpassungen erheblich erschwerten.
Andererseits zwingen stagnierende Absatzzahlen und neue Wachstumsfelder die Branche dazu, bestehende Strategien zu überprüfen und neue Ansätze zu entwickeln. Nur so sei gewährleistet, unter unveränderten Marktbedingungen wirtschaftlich tragfähig zu bleiben.
Innovative Wachstumsfelder
Chancen bieten der Online-Konferenz zufolge neue Wachstumsfelder, die jenseits des klassischen Automatengeschäfts liegen. Grund dafür seien nicht nur neue Systeme und integrierte Plattformen, sondern auch veränderte Nutzererwartungen. So verschiebe sich beispielsweise im Kaffeebereich der Fokus klar in Richtung Premium und Specialty-Coffee. Markeninszenierung, Qualität und Emotion werden zu zentralen Kaufimpulsen, während Technologie die gleichbleibende Qualität sicherstellt.
Als skalierbare Versorgungslösungen mit deutlich größerer Sortimentsbreite und höherer Wertschöpfung etablieren sich darüber hinaus Micromarkets und digitale C-Teile-Ausgaben für Werkzeuge oder Verbrauchsmaterialien. Ermöglicht werden dadurch flexible Warenverfügbarkeit, datenbasierte Steuerung und neue Einsatzfelder in Industrie, Büro- und Logistikumgebungen. Parallel gewinnen dem Verband zufolge Smart-Stores und Travel-Integrationen an Bedeutung. Als Teil vernetzter Mobility- und Infrastruktur-Ökosysteme reagieren sie auf neue Wettbewerber und veränderte Konsumgewohnheiten – rund um Uhr, kontaktlos und standortunabhängig.
Doch auch das Catering entwickle sich weiter und wandle sich zunehmend zu einem datengetriebenen, hybriden Versorgungskonzept anstelle des klassischen Liefermodells, wurde während der Vendcon deutlich. Ergänzend zeige sich, dass sich neben dem klassischen Heißgetränkesegment insbesondere der Bereich Frischeprodukte sowie leitungsgebundene Wasserspender als Wachstumsfelder entwickeln. Diese Angebote gewinnen vor allem im betrieblichen Umfeld an Bedeutung, da sie veränderten Verbraucherbedürfnissen, steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen und betrieblichen Gesundheitskonzepten entsprechen, machte die Online-Konferenz deutlich.
Optimierungen durch digitale Tools und KI erforderlich
Um inmitten dieses Marktwettbewerbs zu bestehenden, sei es den Referenten zufolge für Operator unerlässlich, ihre Strukturen durch digitale und datengetriebene Systeme zu optimieren. Demnach entwickelten sich moderne Warenwirtschaftssysteme zunehmend zum strategischen Rückgrat des Operating-Geschäfts, indem Geräteverwaltung, Lager- und Ersatzteilmanagement, Störungsbearbeitung sowie Abrechnung und Reporting in integrierten Systemlandschaften miteinander verbunden werden.
Besonders hervorgehoben wurden durch die Referenten datenbasierte Prozesse, bei denen historische Verkaufszahlen, Telemetriedaten und externe Faktoren wie Feiertage oder Lieferzeiten automatisiert zusammengeführt werden. Dies ermögliche intelligente Bestellvorschläge, optimierte Tourenplanungen sowie eine verbesserte Versorgungssicherheit bei gleichzeitiger Reduktion von Kosten, Fahrkilometern und CO₂-Emissionen. Ebenfalls als zunehmend wichtigen Faktor im Vending-Markt wurde Künstliche Intelligenz (KI) während der Vendcon hervorgehoben – etwa bei Prognosen für Absatz und Bestände, bei der Priorisierung von Serviceeinsätzen oder in der Analyse komplexer Betriebsdaten.
Markt-Studie in Vorbereitung
Um ein belastbares und transparentes Bild der aktuellen Marktsituation sowie der zukünftigen Herausforderungen zu erhalten, wird derzeit eine umfassende Vending-Markt-Studie für Deutschland vorbereitet. Erfasst werden unter anderem Themen wie Technik, Ersatzteilmanagement, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Wachstumsperspektiven. Ziel ist es, die strukturellen Entwicklungen des deutschen Marktes systematisch abzubilden und eine fundierte Grundlage für unternehmerische und politische Entscheidungen zu schaffen.
Die Datenerhebung erfolgt anonym und wird ausschließlich in aggregierter Form ausgewertet. Erste Ergebnisse sollen im Juni 2026 vorgestellt werden, weiterführende Informationen zur Teilnahme sind über den BDV erhältlich.
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